Neviandt-Preis 2020 an Kurt Seidel verliehen

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„Wahres hat eine ungeheuer lange Halbwertszeit“, so würdigte am 17. März 2020 Prof. Dr. Andreas Heiser, der Vorsitzende des Historischen Arbeitskreises, das theologische und historische Schaffen des ehemaligen Dozenten für Systematische Theologie am Theologischen Seminar Ewersbach Kurt Seidel. Kurt Seidel wurde in Anerkennung seiner Verdienste um Theologie und Geschichte des Bundes Freier evangelischer Gemeinden der Neviandt-Preis 2020 verliehen.

Seit 2008 wird der nach Heinrich Neviandt benannte Preis an Personen verliehen, die sich um die ältere und jüngere FeG-Geschichte verdient gemacht haben. Heinrich Neviandt (1827-1901) war Theologe und Mitbegründer des Bundes Freier evangelischer Gemeinden. Der Preis wird verliehen vom Historischen Arbeitskreis des SCM Bundes-Verlages und Initiative des Bundes Freier evangelischer Gemeinden in Kooperation mit der Theologischen Hochschule Ewersbach.

Seidel wurde 1930 am Fuß des Riesengebirges in Schlesien geboren. Von dort wurde er 1947 zusammen mit seiner Familie vertrieben und kam in dem zerbombten Chemnitz unter. Wegen mangelnder Systemtreue ließ man ihn nach der Ausbildung sein Studium der Landwirtschaft nicht abschließen. In dieser Zeit fand er zum Glauben an Jesus Christus und empfing die Berufung in den Dienst der Verkündigung, was ihn für vier Jahre bis 1954 nach Ewersbach führte. Nach einem kurzen Intermezzo in Berlin-Adlershof folgte ein knappes Jahr in Klafeld-Geisweid. Kurz darauf wurde er in den Pastorendienst der Gemeinde in Frankfurt am Main berufen. Bis 1960 versah er den Dienst als zweiter Prediger neben dem damaligen Bundesvorsteher Karl Glebe, bis 1971 dann allein verantwortlich. In seiner Frankfurter Zeit lernte er seine Frau Renate kennen und lieben, die leider im September letzten Jahres verstorben ist. Neben der Gemeindearbeit setzte er an der Goethe-Universität das Studium der Theologie, Psychologie und Philosophie fort. Sein Interesse galt der Auseinandersetzung mit der Frankfurter Schule und mit dem christlich-jüdischen Dialog.

Kurt Seidel wurde der Preis aufgrund der Corona-Virus-Lage nicht wie geplant im Rahmen des Jubiläumsabends während der Theologischen Woche verliehen, sondern Zuhause von seiner Tochter überreicht. Die Laudatio des Vorsitzenden des Historischen Arbeitskreises, die Übergaberede und die Worte zur Festgabe wurden per Video eingespielt.

Prof. Dr. Andreas Heiser betonte darin die intensive Prägekraft von Kurt Seidel, die er in seiner aktiven Zeit als Dozent an der Ausbildungsstätte des Bund FeG und darüber hinaus für ganze Generationen von Studierenden gehabt hat, und zeichnete die Stationen seines Wirkens und sowie die Grundzüge seines theologischen Schaffens und Einflusses nach.

Herzlichen Glückwunsch, Kurt Seidel!

Andreas Heiser, Laudatio auf Kurt Seidel, 20200317

Die Laudatio und eine Übersicht der Neviandt-Preisträger sind abrufbar unter hak.feg.de